Rumänien 2002 Die Bilder folgen später, sorry!!!

Die Anreise verläuft natürlich wieder ganz anders als geplant, so bleiben wir direkt mal 3 Nächte bei Julia und Walter, die wir ja noch von der Panamericana kennen. Die 2 verwöhnen uns, bei noch herrlichen Wetter, jeden Abend mit Assado, einem kleinem Grillfest!
In Passau bleiben wir notgedrungen ebenfalls 3 Tage, da wir eine Dichtung an Evas Ténéré wechseln müssen. So lernen wir diese sehenswerte 3-Flüsse-Stadt auch mal kennen und sind recht angetan von ihr. Das Wetter schlägt nun schon langsam um und es regnet schon heftig. Aber im Nachhinein können wir froh sein, nicht 3 Wochen später an diesem Ort zu gewesen zu sein.
Der niedliche Campingplatz direkt an der Ilz gelegen, war später, wie die ganze Altstadt von Passau, meterhoch unter Wasser. Unseren ursprünglichen Plan, durch die Tschechei und Slowakei nach Rumänien zu reisen ändern wir auf Grund folgenden Ereignisses:
Wir schlängeln uns im strömenden Regen bis zur Grenzabfertigung der Tschechen vor, dort fragt man uns, ob wir Diplomaten oder Ähnliches seien?
Damit können wir wahrlich nicht dienen, worauf uns der Grenzbeamte ans hintere Ende der Schlange schickt!
Wir denken uns unseren Teil und fahren nicht zum hinteren Ende der kilometerlangen Schlange, sondern nach Österreich, wir Glück haben , denn in Donautal regnet es nicht mehr und so folgen wir ihrem Lauf bis in das kleine Örtchen Rohrendorf bei Krems. Dort können wir bei einem netten Winzer auf der Wiese, zwischen Sonnenblumen und Weinreben, zelten. Wir sind von der Gastfreundlichkeit der Niederösterreicher sehr angetan und bleiben noch einen Tag länger und besuchen ein uriges Weinfest.
Da wir kein „Pickerl" besitzen, durchstreifen wir auf dem weiteren Weg den Wienerwald auf kleinen Landstraßen, bis zur ungarischen Grenze. Auch diesmal mogeln wir uns etwas vor, doch kein Zöllner weist uns zurück. Ob es wohl an dem motorradfreundlichen Sonnenschein lag, der auf unseren Pelz brennt? Die Grenze ist kein Problem, das warme Wetter schon eher, doch dank unserer neuen Motorradkluft werden wir schön vom Fahrtwind gekühlt, wenn wir das Futter herausnehmen. Ein herrliches Gefühl!! Tja, in Ungarn ist es auf einmal warm, ja fast schon heiß, aber beschweren wollen wir uns nicht.
Unser erster wilder Zeltplatz liegt verträumt am Donauufer, romantischer Sonnenuntergang inklusive. Am nächsten Tag verlassen wir die Donau, nachdem uns eine altersschwache Fähre auf die andere Seite des grossen Stromes bringt und fahren auf kleinsten Nebenstrassen in das Matra-Gebirge hinein bis nach Hollókö. Diesen kleinen Ort hat die UNESCO 1988 zum Weltkulturerbe ernannt, der dörfliche Charakter ist bis heute erhalten geblieben - Hollókö ist zu einem lebendigen Museum geworden. An diesem Wochenende findet sogar ein internationales Folklorefestival statt, was das Gefühl, in einer vergangenen Epoche zu sein, natürlich noch unterstreicht.
Uns zieht es am nächsten Tag weiter durch das Matra-Gebirge in Richtung Eger. Herrlich zieht sich das Asphaltband durch die waldige Gegend rund um den Kekestetö, mit 1015 Metern höchsten Berg Ungarns. Zur Mittagszeit erfrischen wir uns mit einer Wassermelone am Straßenrand und zahlen umgerechnet nur ein paar Cent für die große Kugel.

Wir wollen in den Hortobagy Nationalpark und der liegt mitten in der ungarischen Steppe, oder besser, was davon noch übrig geblieben ist. Die Landschaft empfinden wir als wenig reizvoll und so donnern wir mit der angegebenen Höchstgeschwindigkeit über die sehr gut ausgebauten Landstraßen. Dass wir trotz Tempo 100 ständig von „Einheimischen" überholt werden finden doch seltsam.
Wir entscheiden uns am nächsten Tag mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend für eine Kutschenfahrt durch die Puszta. Na ja, vom Hocker haut sie uns nicht, aber so bekommen wir wenigstens mal den Traum von der Puszta vorgespielt. Wir gondeln mit den anderen Touristen zu den typischen Sehenswürdigkeiten, wie Ziehbrunnen, alte ungarische Haustierrassen wie Langhornrinder, Wasserbüffel, Zackelschafe, Mastgänse, etc. eine Pferde- und Rinderschau gehört ebenso zum Programm.

Nun wollen wir aber endlich nach Rumänien. Es ist nicht so, dass uns das langsame Reisen nicht gefallen würde, aber in unserem zivilisierten Leben steht man halt unter Zeitdruck und so sind wir schon einige Tage in „Verzug".
Die Einreise nach Rumänien verläuft vollkommen problemlos! An der Grenze werden wir freundlich von den Zöllnern empfangen. Leider müssen wir schon hier feststellen, dass unser „Neandertal-Spanisch" ( rumänisch soll mit dem spanischen verwandt sein) für die hiesigen Sprachverhältnisse nicht ausreicht.

Egal wir sind endlich in Rumänien und beim Geldumtauschen werden wir sofort zu Millionären. Zum Glück benötigen wir keine Plastiktüte um die ganzen Scheine zu verstauen, denn es wurden, rechtzeitig zur Inflation, immer wieder neue Scheine mit ein paar Nullen mehr gedruckt.
Wir merken sofort den grossen Unterschied zu Ungarn, hier ist alles noch ärmlicher und die Menschen sind oftmals, statt mit Autos, auf Pferdefuhrwerken unterwegs.
Ohne Zweifel fühlen wir uns sofort wohl, denn die Preise sind besser als bei ALDI ;-)
Auch landschaftlich wird es wieder reizvoller, da wir direkt Kurs auf die Karpaten nehmen, welche im Grenzgebiet zur Ukraine, in der Region Mara Mures, verlaufen. Auf dem „lustigen Friedhof" in Sapinta können wir uns ein Bild über die selbstironische Darstellung des Todes machen. Hier tragen die Grabkreuze buntbemalte, naive Schnitzreliefs und weisen mit lustigen Versen auf die guten Eigenschaften der Verstorbenen hin.
Am "Campingplatz", einer Wiese neben einem "Restaurant", lernen wir Siebenbürger Sachsen kennen, die uns spontan zu sich nach hause einladen.

Nun werden wir fast täglich von ergiebigen Regenschauern überrascht. Trotzdem gefällt es uns sehr gut. Hier scheint die Zeit wirklich noch stehen geblieben zu sein. Alte Häuser aus Holz, halbverwilderte Gärten, die von krummen Zäunen eingegrenzt werden und Leute, die noch nicht dem modischen Konsum verfallen sind. Alles das finden wir hier und es hört sich so schön romantisch an, wie es wohl aber wäre, unter solch einfachen Bedingungen zu leben können wir nicht beurteilen. Die meisten der (jungen) Leute möchten wohl lieber in unsere, immer mehr globalisierte und vereinsamte Welt!
Weiter geht es entlang der Grenze zur Ukraine in die abgelegene Moldauregion, wo wir die weltberühmten Klöster aus dem 15. und 16. Jahrhundert mit ihren Fassadenmalereien bestaunen.
In der Bisac-Klamm beim Lacu Rosu treffen wir zum ersten mal auf Touristenscharen, welche von der beeindruckenden Schlucht angezogen werden. Wir fühlen uns bei so vielen Menschen weniger wohl und fahren weiter durch den strömenden Regen. Irgendwann haben wir die Schnauze voll und nehmen uns ein Zimmer im kleinen Ort Danesti. Die niedliche Pension ist genau nach unserem Geschmack und mit € 5 p.P. auch durchaus bezahlbar. Hier bekommen wir auch eins der besten Gerichte der Reise, denn die nette Wirtin kocht mit ihrer Mutter noch eine deftige Suppe und als Hauptspeise servieren sie uns selbstgemachte Nudeln mit Kalbfleischbraten.
Nachdem wir noch eine heisse Dusche genommen haben, geht es uns auch bei Regenwetter wieder gut.
Der nächste Morgen lädt nicht gerade zur Weiterreise ein, aber wir können uns überwinden und machen uns auf den Weg nach Brasov (Kronstadt). Immer wieder lugt mal die Sonne durch, aber richtig trocken werden wir nicht. In Rasnov (Rosenau) machen wir wohl auf Danut, einem Rumänen, einen solch mitleidenswürdigen Eindruck, dass er uns sofort zu einem Kaffee zu sich nach Hause einlädt. Im Haus seiner Eltern gewährt er Unterschlupf vor dem Regen und erzählt uns von seinem Studentenleben.
Wir wollen im Ort bleiben und suchen einen Campingplatz, den wir allerdings schleunigst wieder verlassen. So total überfüllt wie er ist, würden wir uns dort nicht wohlfühlen. Im Ort finden wir eine hervorragende Pension, die mit € 6 p.P. auch unseren Preisvorstellungen entspricht und in keinem Verhältnis zum Campingplatz steht. Die Motorräder können wir gut geschützt im Garten abstellen und die Zimmer sind sogar mit Fernseher ausgestattet.
Doch das interessiert uns nur am Rande, stehen doch die Rosenauer Bauernburg und das Schloss von Graf Dracula im Vordergrund. Oben auf der Burg findet erneut ein Folklorefestival statt und überall wird fettiges Essen verkauft.
Die kleine Grenzfestung von Vlad Tepes in Bran wird heute erfolgreich als „Draculaschloss" vermarktet und ist wahrlich der Touristenhöhepunkt in Rumänien. Mit der historischen Wahrheit nimmt man es allerdings nicht so genau, denn der walachische Fürst, der den Dracula-Filmen als Vorlage diente, hielt sich zwar hier auf, residiert hat er allerdings nie in der Burg. Wir empfanden die Festung sowieso eher als romantisch, denn gruselig.

Auf der Transfagarasan queren wir das imposante Fagarasgebirge, in dem leider wieder der Regen einsetzt. Landschaftlich fühlten wir uns hier im waldreichen Siebenbürgen an die Alpen erinnert, nur dass der Massentourismus, bis auf das „Dracula-Schloss", noch ausgeblieben ist.
Sighisoara (Schässburg) empfängt uns mit sintflutartigem Regen und der halbe Campingplatz liegt dementsprechend unter Wasser. Auf einer kleinen Anhöhe unter einem Baum bauen wir etwas geschützt unser Zelt auf und harren der Dinge. Tatsächlich lässt der Regen nach und wir können uns ein Süppchen kochen. Der nächste Morgen empfängt uns mit Sonnenschein und wir erkunden die Altstadt von Schässburg, welche im Mittelalter von den Siebenbürger Sachsen gegründet wurde. Noch heute fühlen wir uns an manchen Ecken des mittelalterlichen Stadtkerns ein paar Jahrhunderte zurückversetzt.

Bevor wir zu unseren Freunden fahren, fassen wir unseren ganzen Mut und erkunden die hügelige Landschaft endlich mal auf Schotterpisten. Das ist so richtig nach unserem Geschmack, überall zweigen kleine Wege in die Wälder und Felder der Umgebung ab und so wissen wir bald gar nicht mehr, wo wir genau sind. Mit etwas Glück und Hilfe von Bauern gelangen wir schlienach Biertan (Birthälm), eine der bedeutsamsten Kirchenburgen des Mittelalters, wo im Verteidigungsfall die gesamte Bevölkerung des Dorfes unterkam.

Bevor wir unsere Freunde erreichen, überkommt uns wieder einer dieser heftigen Regenschauer. Nun ja, so erreichen wir pudelnass das Haus und werden erst mal freundlich mit Selbstgebranntem empfangen. Da fliegen uns echt die Ohren weg, aber es tut uns wirklich gut. Am Abend wird in der grossen Familie natürlich kräftig gefeiert und geschlemmt. Obwohl wir nicht zur Familie gehören, werden wir vollkommen in die Feier eingebunden und mit den Leckereien verwöhnt. Eva hat wohl den einen oder anderen Selbstgebrannten zu viel getrunken und liegt dafür am nächsten Tag flach, so dass wir noch einen Tag länger bei den neuen Freunden pausieren.

Uns zieht es noch mal ins Fagarasgebirge der Karpaten, diesmal regnet es nur vereinzelnd und so kommen wir in den Genuss, die Berge intensiver zu erleben. Wir entdecken den einsam gelegenen Lacul Vidra und entschliessen uns von dort auf den Urdele Pass zu fahren. Den Einstieg in den Abzweig zum Pass zu finden ist gar nicht so einfach, so müssen wir Leute fragen, die in der Nähe zelten. Diese bestätigen uns, auf der richtigen Piste zu sein, aber dort oben wäre die Piste ja in sehr schlechtem Zustand und man müsse durch Wasser und über Geröll fahren. Spontan denke ich (Ralf): „Au ja, das hört sich gut an!" Dann entdecken wir auf einem Schild, dass dieser Weg von Kilometer 34 bis 78 auch noch gesperrt sein soll. Doch die Sonne scheint und Eva nickt, so fahren wir erst mal los. Zu gross ist die Verlockung auf den 2.145 Meter hohen Urdele-Pass zu gelangen.
Wir werden auch nicht enttäuscht, langsam schlängelt sich der Forstweg erst durch den Wald, dann bis über die Baumgrenze hinauf. Hier oben wird es nun etwas anspruchsvoller, aber ohne uns vor allzu grosse Hindernisse zu stellen. Leider ist von der Sonne nun nichts mehr zu sehen, langsam und mystisch steigen die Wolken an den Hängen empor und lassen uns manchmal kaum ein paar Meter Sicht. Jedoch verschonen sie uns mit Regen und so gelangen wir auf nun steinigen und abgebrochenen Trassen hinauf zum Pass. Hin und wieder gönnen uns die Wolkenfetzen einen Blick ins Tal und auf die umliegenden, höchsten Berge Rumäniens. Ein paar Kilometer hinter dem Pass treffen wir dann auf ein Feriendorf und von dort ist die Strasse dann auch wieder asphaltiert.
Auf kleinen Nebenstrassen gelangen wir durch das Tal der Cerne nach Baile Herculane einem antiken Badekurort, der die besten Zeiten auch schon hinter sich hat.
Für uns heisst es ab nun zügig voran zu kommen und so donnern wir auf den Hauptstrasse über Caransebes und Timisoara zur ungarischen Grenze. Es gibt nun nichts besonderes zu erwähnen, ausser dass der Regen uns auch ständig durch Ungarn und Österreich begleitet und dieser erst nach 2 Tagen an der deutschen Grenze wieder aufhört.
Bei Julia & Walter finden wir wieder für eine Nacht Unterschlupf und sind froh, solch nette Freunde zu haben!

Als Resümee gilt zu sagen, dass wir noch nie solch schlechtes Wetter auf einer Motorradreise hatten. Es ist auch untypisch für Rumänien, aber die katastrophalen Wetterverhältnisse des europäischen „Sommers" sind uns ja sicher allen noch in Erinnerung. Letztendlich hatten wir wohl noch Glück, denn in dieser Zeit gab es immer wieder Orte die vom Schicksal schwer getroffen wurden.
Wir sind zwar sehr oft nass geworden, waren aber wohl doch nie zur falschen Zeit am falschen Ort!!!